Karwendelerstbegehung Endlich, am 10. September 2011 ist der "Karwendelmix" an der Eiskarlspitze geschafft.
Nach mehr als 1 Jahr harter Arbeit können Ricarda und ich eine weitere Tour im Karwendel
der alpinen Kletterszene bereitstellen.
Neben den 2 Routen an der Östlichen Jägerkarspitze ist es wohl eine unserer besten
Erstbegehungen. Kompakter Fels, Riß - Wand - Verschneidungs - und Plattenkletterei fordern
die verschiedensten Klettertechniken bei optimaler Absicherung.
Nachdem ich von einem schweren Kletterunfall eines versierten Alpinisten in den
Schweizer Bergen gehört hatte ( Abrutschen mit anschließendem Ausbruch eines großen
Sicherungsköpfels ), bin ich entschlossen, den in der 11. SL wackligen Felspfeiler in die Tiefe
zu befördern.
Die Septembertage sind außerordentlich warm und sonnig.
Ein nicht ganz einfaches Abseilmanöver bringt mich zu der bekannten Stelle.
Mit einem kurzen Rucktest will ich mir einen Überblick verschaffen.
Doch zum Beurteilen bleibt keine Zeit. Der tonnenschwere Block löst sich von
seiner Auflage, kippt über meine rechte große Zehe und verabschiedet sich mit Getöse zu Tal.
Eine minutenlange Staubwolke hängt an den Eiskarlen. Es richt und schmeckt nach Teer und Hölle.
Ich muß den rechten Schuh öffnen - der Zeh nimmt 2 größere Schuhgrößen an.
Irgendwann bin ich im Tal und fahre mit schmerzendem Klumpfuß in die Abendsonne hinein ...

4.10.2011
Bohrhaken Nach meiner Auffassung sind Haken jeglicher Form und Größe Fremdkörper
in der Natur und damit jeder Kletterroute - allerdings auch unerläßliche
Sicherungsmittel.
Gerade im Karwendel sind zuverlässige Normalhaken oder auch Schlingen nur sehr schwer
anzubringen.
Die Frage, wie ein Erstbegeher seine Route abzusichern hat, unterliegt auch einer ethischen
zeitlichen Betrachtungsweise.
Wurden vor 50 Jahren die tollkühnen Männer beschimpft, die vereinzelt Bohrhaken in ihre
Projekte gesetzt hatten, so ist das Plaisierklettern heute die Normalität.
Das Abwägen, wo setze ich einen Bohrhaken, dient er zur Orientierung oder ist er lebenswichtig,
ist nicht ganz leicht und ist stets der Kritik unterworfen.
Es sollte jedoch bedacht werden, dass der Erstbegeher hier seinen Stil hinterläßt.

28.12.2010
Helirettung Wir befinden uns am späten Nachmittag eines hochdruckverwöhnten Klettertages irgendwann
im August des Jahres 2006 am Stand der 23. Seillänge von "Die Hölle ist im Paradies"
und blecken an den trockenen und rissigen Lippen.
Ein plötzliches surren über uns läßt uns instinktiv an die Wand pressen.
Diese Stelle ist dem Steinschlag besonders ausgeliefert, da sie nicht besonders steil ist.
Das Chaos entlädt sich über und hinter uns. Schon als alles vorbei zu sein scheint,
kracht es neben mir und mein Kletterpartner sackt in die Selbstsicherung.
Sein rechter Fuß ist von einem faustgroßen Stein getroffen. Ein Klettern oder Abseilen
ist auf Grund seiner starken Schmerzen nicht möglich.
Per Handy fordern wir einen Helikopter aus Innsbruck an. Nach etwa 15 Minuten kreist er ganz
vorn an der Spritzkarspitze. Mit ein paar Anweisungen kann ich ihn direkt auf uns zufliegen lassen.
Höhe und Richtung passen.
Erst ein Testanflug und ein wenig später pendelt ein Retter an der langen Leine zu uns herüber.
Schnell ist die Rettungsleine eingehakt, sachte zieht der Heli an und schon pendeln wir in den
Enger Grund hinaus. Endlich kann ich unser Projekt genau aus der Waagerechten inspizieren.
Mein wohl tollster Helikopterflug endet recht schnell am Hohljoch.
Unten an der Kaserer Alm muß ich mich den Fragen der Polizei stellen. Hans wird am nächsten
Tag humpelnd aus dem Innsbrucker Krankenhaus entlassen.
Erst im darauffolgenden Jahr können wir unser Projekt beenden.

28.12.2010

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© Christoph Martin

Letzte Aktualisierung : 01.Oktober 2011